Donnerstag, 26. Februar 2015

Rezension zum Buch: Sie nannten mich ES von Dave Pelzer


Sie nannten mich ES Der Mut eines Kindes zu überleben von Dave Pelzer

Goldmann Verlag



Das autobiografische Buch erzählt die Geschichte eines Kindes, das jahrelang den brutalsten Misshandlungen durch die eigene Mutter ausgesetzt ist. Es basiert auf den persönlichen Erlebnissen des Autors von seinem 4. bis 12. Lebensjahr und - es ist nichts für schwache Gemüter.
Schon auf dem Cover überrollt der Felsen fast den kleinen Jungen - eben nur fast, denn er ist stark in seinem Kampf ums Überleben.




Inhalt:
Dave, Sohn einer amerikanischen Durchschnittsfamilie, wohnt mit seinen Brüdern und den Eltern in Kalifornien. Der Vater arbeitet als Feuerwehrmann, die Mutter ist Hausfrau. Die Familie führt ein harmonisches Leben, bis eines Tages die Mutter zur Furie mutiert.
Ab sofort ist Dave den schlimmsten Behandlungen ausgesetzt, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Die eigene Mutter quält ihn physisch und psychisch bis an die Grenze des Todes. Sie nennt Dave nicht einmal mehr beim Namen und geht mit solcher Brutalität gegen das Kind vor, dass man vermeint, die Schmerzen beim Lesen nicht aushalten zu können. Unfassbar wozu eine Mutter fähig ist und, dass ein Vater aus Angst vor Repressalien nicht einzugreifen wagt. Dave verdankt es der Aufmerksamkeit seiner Lehrer, der Hölle entronnen zu sein.

Einschätzung:
Das Buch lässt sich in einem Zug durchlesen. Es ist flüssig und spannend geschrieben, doch habe ich es mehrfach beiseitelegen müssen, erschüttert von der blanken Gewalt und dem Hass einer Mutter. Dave Pelzer wollte seinen Schreibstil der kindlichen Perspektive anpassen. In Anbetracht des schwierigen Themas, die Hilflosigkeit in den Augen eines Kindes darzustellen, ist ihm das nicht durchgängig gelungen. Detailliert führt er den Leser seitenlang durch die Schrecken seines Martyriums, bis an die Grenze des Erträglichen. Dabei vermisste ich eine Erklärung zur Ursache des veränderten Verhaltens der Mutter. Auch warfen die unverständlichen Reaktionen des Vaters etliche Fragen auf.

Beispiele:
"Ich wandte mich zu Vater um, der mit einem Drink in der Hand dastand und durch mich hindurchsah. ... In diesem Augenblick wusste ich, dass wir immer weiter auseinander drifteten." (Zitat S. 65)

"Vater hielt sich an die oberste Regel der Familie, ...: Wenn wir ein Problem ignorieren, dann ist dieses Problem einfach nicht vorhanden." (Zitat S. 85/85)

"Vater gab kampflos auf. ... Nach einer Weile blieb Vater nicht einmal mehr an seinen freien Tagen zu Hause." (Zitat S. 94)

Dave Pelzer hatte den Mut an die Öffentlichkeit zu gehen, obwohl sein Schicksal als eines der schwersten Fälle von Kindesmisshandlungen in Kalifornien/USA registriert wurde. Bewundernswert, wie er seinen Schmerz und die Schattenseite seiner Vergangenheit überwunden hat. Aber wie verlief sein Leben von der Rettung bis zur Niederschrift seiner Erlebnisse? Es lagen immerhin mehrere Jahre dazwischen.

Fazit:
4 Sterne für dieses Buch, weil es einfühlsam und aufrüttelnd geschrieben ist. Der Autor hat es verstanden, die Spirale der brutalen Folter in einem deutlichen Auftrag münden zu lassen: Hinsehen, auch bei familiärer Gewalt.
Einen Stern ziehe ich ab, weil zu viele Fragen unbeantwortet blieben.

1 Kommentar:

  1. Sehr gut geschrieben,

    wie es weiter geht erfährt man in seinen zwei folgeden Autobiograpiehn:
    "Der verlorenen Sohn" Der Kampf eines Kindes um Liebe und Anerkennung
    und "Ein Mann Namens Dave" Eine Geschichte von Triumph und Vergebung

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